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Materialien

Naturfaser

Textilfaser pflanzlichen oder tierischen Ursprungs, die ohne chemische Synthese gewonnen wird.

Was sind Naturfasern?

Naturfasern sind Textilfasern, die direkt aus der Natur stammen – entweder aus Pflanzen oder von Tieren. Im Gegensatz zu Kunstfasern wie Polyester oder Polyamid, die im chemischen Reaktor entstehen, werden Naturfasern angebaut, geerntet oder gewonnen und anschließend mechanisch zu verspinnbarem Material aufbereitet.

Die Menschheit nutzt Naturfasern seit mindestens 10.000 Jahren. Flachsfasern (Leinen) gehören zu den ältesten nachgewiesenen Textilfasern überhaupt. Trotz des rasanten Wachstums der Kunstfaserindustrie seit den 1950er-Jahren machen Naturfasern immer noch rund 30 % der weltweiten Faserproduktion aus – Tendenz wieder steigend, getrieben durch Nachhaltigkeitsansprüche.

Pflanzliche Naturfasern

Pflanzenfasern bestehen hauptsächlich aus Zellulose:

  • Baumwolle – die mit Abstand wichtigste Naturfaser, rund 80 % der pflanzlichen Faserproduktion. Weich, saugfähig, vielseitig einsetzbar
  • Leinen (Flachs) – sehr reißfest, kühlendes Tragegefühl, charakteristische leicht unregelmäßige Struktur. Knittert stark, wird dadurch oft unterschätzt
  • Hanf – ähnliche Eigenschaften wie Leinen, aber noch robuster. Wächst ohne Pestizide, braucht wenig Wasser
  • Ramie, Jute, Sisal – technische Fasern, selten in Bekleidung, dafür in Taschen, Verpackungen und Verstärkungsmaterialien

Tierische Naturfasern

Tierfasern bestehen aus Proteinen (Keratin oder Fibroin):

  • Schurwolle – von Schafen gewonnen, temperaturregulierend, knitterarm. Merino ist die feinste und weichste Variante
  • Kaschmir – Unterhaar der Kaschmirziege, extrem weich, leicht, aber empfindlich
  • Seide – Endlosfaser aus dem Kokon des Maulbeerspinners, unvergleichlicher Glanz und Geschmeidigkeit
  • Alpaka, Mohair, Angora – Spezialfasern mit besonderen Eigenschaften (Wärme, Glanz, Weichheit)

Vor- und Nachteile gegenüber Kunstfasern

Naturfasern bieten Eigenschaften, die synthetische Materialien nur schwer nachahmen können:

  • Feuchtigkeitsmanagement – Wolle und Seide regulieren Temperatur und Feuchtigkeit aktiv, statt sie nur zu transportieren
  • Hautverträglichkeit – weniger statische Aufladung, oft angenehmer auf empfindlicher Haut
  • Biologische Abbaubarkeit – Naturfasern zersetzen sich nach der Nutzung, Polyester bleibt Jahrhunderte bestehen

Allerdings haben Naturfasern auch Grenzen: höherer Pflegeaufwand, teilweise eingeschränkte Formstabilität, höhere Kosten und je nach Anbaumethode eine komplexe Umweltbilanz (Wasserverbrauch bei Baumwolle, Methanemissionen bei Tierhaltung).

Naturfasern in der Corporate Fashion

Für Berufsbekleidung sind Naturfasern dort erste Wahl, wo Tragekomfort und professionelle Optik zusammenkommen müssen: Wollmischgewebe für Anzüge und Blazer, Baumwolle für Hemden und Poloshirts, Leinen für sommerliche Repräsentationskleidung. In der Praxis werden Naturfasern häufig mit Synthetik gemischt – etwa Baumwolle mit Polyester für bessere Formstabilität oder Wolle mit Elasthan für mehr Bewegungsfreiheit.

Wer auf reine Naturfasern setzt, signalisiert auch etwas: Wertigkeit und Nachhaltigkeitsbewusstsein. Gerade bei Unternehmen mit starkem Nachhaltigkeitsprofil wird die Faserwahl zum Teil der Markenbotschaft.

Mini-FAQ

Ist Viskose eine Naturfaser? Nein. Viskose wird zwar aus natürlichem Zellstoff (meist Holz) hergestellt, durchläuft aber ein chemisches Lösungs- und Spinnverfahren. Man spricht deshalb von einer regenerierten Zellulosefaser oder Chemiefaser auf natürlicher Basis – sie steht zwischen Natur- und Kunstfaser.

Welche Naturfaser ist am strapazierfähigsten? Leinen. Die Flachsfaser ist im trockenen Zustand etwa doppelt so reißfest wie Baumwolle und gewinnt im nassen Zustand sogar noch an Festigkeit. Allerdings ist Leinen wenig elastisch und bricht bei dauerhafter Knickbelastung (Bügelfalten) leichter.

Können Naturfasern Allergien auslösen? Die Fasern selbst selten – häufiger sind es Veredelungschemikalien, Farbstoffe oder bei Wolle der Lanolin-Rest. Zertifizierungen wie OEKO-TEX Standard 100 garantieren, dass Schadstoffgrenzwerte eingehalten werden.

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