Siebdruck — auch Serigrafie genannt — ist eines der ältesten und zugleich meistgenutzten Verfahren zur Textilveredelung. Das Prinzip: Druckfarbe wird mit einer Rakel durch ein feinmaschiges Gewebe (das Sieb) gedrückt, dessen nicht zu bedruckende Bereiche durch eine Schablone abgedeckt sind. Für jede Farbe im Motiv wird ein eigenes Sieb angefertigt. In der Corporate Fashion ist Siebdruck nach wie vor das Standardverfahren für mittlere und große Auflagen — kein anderes Verfahren liefert bei Stückzahlen ab 50 eine vergleichbare Kombination aus Farbbrillanz, Haltbarkeit und Wirtschaftlichkeit.
So funktioniert der Siebdruck
Der Ablauf lässt sich in vier Schritte unterteilen:
- Druckvorstufe — Das Motiv wird in einzelne Farbkanäle zerlegt. Für jede Farbe entsteht ein Filmpositiv, das auf ein mit Fotoemulsion beschichtetes Sieb belichtet wird. Die belichteten Bereiche härten aus, die unbelichteten werden ausgewaschen — es entsteht die Schablone.
- Siebvorbereitung — Das Sieb wird in einen Rahmen gespannt und auf der Druckmaschine positioniert. Die Gewebefeinstheit (gemessen in Fäden pro Zentimeter) richtet sich nach dem Motiv: Feine Details erfordern höhere Fadenzahlen, flächige Motive niedrigere.
- Druckvorgang — Das Textil wird auf dem Drucktisch fixiert, das Sieb darübergelegt. Eine Rakel zieht die Druckfarbe mit gleichmäßigem Druck über das Sieb. Die Farbe dringt durch die offenen Maschen auf den Stoff.
- Trocknung — Die bedruckten Textilien durchlaufen einen Tunneltrockner bei ca. 150—160 °C. Die Hitze fixiert die Farbe dauerhaft in der Faser.
Bei mehrfarbigen Motiven wird dieser Vorgang für jede Farbe wiederholt. Zwischen den Durchgängen muss die vorherige Farbschicht antrocknen, damit die Farben nicht verlaufen.
Stärken des Siebdrucks
- Farbbrillanz — Siebdruckfarben werden deckend aufgetragen und erreichen eine Leuchtkraft, die anderen Verfahren oft überlegen ist. Auch auf dunklen Stoffen kommen die Farben kräftig zur Geltung.
- Haltbarkeit — Korrekt fixierte Siebdrucke überstehen 50+ Industriewäschen ohne nennenswerten Qualitätsverlust. Die Farbschicht ist in die Faseroberfläche eingebunden, nicht nur aufgelegt.
- Sonderfarben — Pantone-Farben, Neonfarben, metallische Effekte, Glitter oder auch Puff-Print (aufschäumende Farbe) sind im Siebdruck problemlos möglich. Kein anderes Verfahren bietet diese Bandbreite an Spezialeffekten.
- Stückkosten — Die Einrichtungskosten (Siebherstellung, Farbmischung) sind fix, die Stückkosten sinken mit steigender Auflage. Ab ca. 50 Stück ist Siebdruck in der Regel das wirtschaftlichste Verfahren.
Grenzen und Einschränkungen
Siebdruck ist nicht für jeden Anwendungsfall die beste Wahl:
- Kleine Auflagen — Unter 30—50 Stück sind die Einrichtungskosten pro Stück unverhältnismäßig hoch. Hier lohnt sich Digitaldruck oder Transferdruck.
- Fotorealistische Motive — Farbverläufe und fotorealistische Darstellungen sind im Siebdruck nur eingeschränkt möglich (Rasterung). Für Fotomotive ist Digitaldruck (DTG) die bessere Wahl.
- Farbanzahl — Jede Farbe benötigt ein eigenes Sieb. Bei Motiven mit mehr als 6 Farben steigen Einrichtungskosten und Druckzeit deutlich an.
- Positionierung — Nähte, Reißverschlüsse und Knopfleisten begrenzen die möglichen Druckflächen. Vor allem bei Jacken und Hemden müssen die Druckpositionen sorgfältig geplant werden.
Siebdruck in der Corporate Fashion
In der Praxis wird Siebdruck vor allem eingesetzt für:
- Brustlogos auf T-Shirts und Poloshirts — Das Standardanwendungsgebiet. 1—3 Farben, wirtschaftlich ab 50 Stück.
- Rückendrucke und Großflächendrucke — Claims, Slogans oder großformatige Logos auf Eventshirts, Teamkleidung oder Arbeitsjacken.
- Pflegeetiketten und Innenlabels — Als Alternative zu eingenähten Labels werden Pflegehinweise und Logos direkt in den Kragen oder die Innenseite gedruckt.
Die Kombination aus Siebdruck und Bestickung ist in der Corporate Fashion weit verbreitet: Brustlogo gestickt, Rückendruck oder Slogans im Siebdruck. So entsteht ein vielseitiger Gesamtauftritt, der Wertigkeit und Sichtbarkeit verbindet.
Mini-FAQ
Was kostet Siebdruck pro Stück? Das hängt von Farbanzahl, Motivgröße und Auflage ab. Als Richtwert: Ein einfarbiges Brustlogo auf 100 T-Shirts liegt bei ca. 1,50—3,00 € pro Stück. Die einmaligen Sieb- und Einrichtungskosten kommen hinzu, verteilen sich aber auf die Gesamtmenge.
Wie lange dauert die Produktion? Die Siebherstellung und Einrichtung dauert in der Regel 1—2 Arbeitstage. Der eigentliche Druckvorgang geht schnell: Eine erfahrene Druckerei schafft mehrere hundert Textilien pro Stunde. Insgesamt sollte man für eine Standardbestellung 5—10 Arbeitstage einplanen.
Kann Siebdruck auf jedem Material gedruckt werden? Auf den meisten textilen Oberflächen ja. Baumwolle und Baumwoll-Mischgewebe liefern die besten Ergebnisse. Bei reinem Polyester wird oft mit wasserbasierter Siebdruckfarbe oder Transferdruck gearbeitet, da herkömmliche Plastisol-Farben auf Polyester weniger gut haften.