Underdressed ist, wer für einen bestimmten Anlass zu leger, zu nachlässig oder schlicht zu informell gekleidet ist. Das Gegenstück zu overdressed — und in vielen beruflichen Situationen das grössere Problem. Denn während Overdressing im schlimmsten Fall steif wirkt, kann Underdressing als Respektlosigkeit oder mangelnde Professionalität interpretiert werden.
Wann gilt man als underdressed?
Wie bei allen Dresscode-Fragen gilt: Der Kontext entscheidet. Einige Klassiker:
- Jeans und Sneaker beim Vorstellungsgespräch in einer Bank
- T-Shirt beim formellen Geschäftsessen mit Kunden
- Flip-Flops und Shorts im Büro, wenn der Rest des Teams Hemden trägt
- Ungebügelte oder fleckige Kleidung unabhängig vom Dresscode
Underdressed sein ist keine Frage des persönlichen Stils, sondern der Abweichung von der Erwartung. In einer Tech-Firma kann dasselbe Outfit völlig angemessen sein, das in einer Kanzlei als underdressed auffallen würde.
Die Folgen von Underdressing
Underdressing hat im Berufsalltag messbare Konsequenzen. Studien zeigen, dass Menschen die Kompetenz ihres Gegenübers unbewusst anhand der Kleidung einschätzen — auch wenn sie es bewusst nicht zugeben würden. Konkret kann Underdressing dazu führen:
- Weniger Vertrauen: Kunden und Geschäftspartner nehmen underdressed auftretende Personen als weniger zuverlässig wahr
- Geringere Autorität: Führungskräfte, die deutlich legerer gekleidet sind als ihr Team, können an wahrgenommener Autorität verlieren
- Soziale Isolation: Wer aus dem Dresscode der Gruppe fällt, fühlt sich (und wird) als Aussenseiter wahrgenommen
- Verpasste Chancen: Bei Bewerbungsgesprächen oder Kundenpräsentationen kann unangemessene Kleidung den ersten Eindruck irreparabel beschädigen
Underdressed im Berufsalltag vermeiden
Einige bewährte Strategien:
- Im Zweifel eine Stufe höher: Wenn der Dresscode unklar ist, lieber etwas formeller erscheinen — das lässt sich leichter nach unten korrigieren als umgekehrt
- Beobachten und anpassen: In den ersten Tagen am neuen Arbeitsplatz die Kolleginnen und Kollegen beobachten und den eigenen Stil angleichen
- Basics in Reserve halten: Ein Blazer im Büro oder ein gepflegtes Paar Schuhe in der Schreibtischschublade können im Notfall den Formalitätsgrad anheben
- Den Anlass differenzieren: Internes Teammeeting und externer Kundentermin erfordern nicht den gleichen Aufwand
Wie Corporate Fashion Underdressing verhindert
Corporate Fashion löst das Underdressing-Problem strukturell. Wenn ein Unternehmen seinen Mitarbeitenden die passende Kleidung stellt, entfällt die individuelle Fehleinschätzung. Jeder trägt das, was zur Marke und zum Anlass passt — unabhängig vom persönlichen Modeempfinden oder Budget.
Das ist besonders relevant in Branchen mit Kundenkontakt. Ein Servicemitarbeiter im hochwertigen Firmenpoloshirt vermittelt automatisch mehr Professionalität als dieselbe Person in einem privaten, möglicherweise abgetragenen T-Shirt. Der Effekt ist nicht nur optisch: Mitarbeitende, die sich in ihrer Kleidung professionell fühlen, treten auch selbstbewusster auf.
Mini-FAQ
Ist Underdressing ein Kündigungsgrund? Ein einzelner Verstoss nicht. Wiederholte und bewusste Missachtung des Dresscodes kann aber nach vorheriger Abmahnung arbeitsrechtliche Konsequenzen haben — besonders wenn die Kleiderordnung vertraglich geregelt oder durch Betriebsvereinbarung festgelegt ist.
Wie spreche ich einen Mitarbeitenden an, der regelmässig underdressed ist? Unter vier Augen, sachlich und mit konkreten Beispielen. Formulierungen wie „unser Dresscode sieht vor, dass…” sind hilfreicher als Bewertungen des persönlichen Geschmacks. Noch besser: Stellen Sie die passende Kleidung direkt bereit.
Kann man mit teurer Kleidung trotzdem underdressed sein? Ja. Underdressed ist eine Frage des Anlasses, nicht des Preises. Ein teures Designershirt ist beim formellen Geschäftsdinner genauso underdressed wie ein günstiges T-Shirt — wenn alle anderen im Anzug erscheinen.