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Atmungsaktiv

Eigenschaft von Textilien, Feuchtigkeit vom Körper nach außen zu transportieren und so das Mikroklima auf der Haut zu regulieren.

Was bedeutet atmungsaktiv?

Atmungsaktivität beschreibt die Fähigkeit eines Textils, Wasserdampf von der Hautoberfläche durch das Gewebe nach außen zu leiten. Der Fachbegriff dafür ist Wasserdampfdurchlässigkeit (MVTR – Moisture Vapor Transmission Rate), gemessen in Gramm pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. Ein Stoff mit einem MVTR-Wert über 10.000 g/m²/24h gilt als gut atmungsaktiv, Werte über 20.000 g/m²/24h als hochatmungsaktiv.

Entscheidend ist: Atmungsaktivität hat nichts mit Luftdurchlässigkeit zu tun. Ein winddichtes Softshell-Material kann hochatmungsaktiv sein, während ein grob gewebtes Leinenhemd zwar Luft durchlässt, aber Feuchtigkeit schlecht abtransportiert.

Wie funktioniert der Feuchtigkeitstransport?

Der Transport basiert auf zwei Prinzipien:

  • Kapillareffekt – Feine Faserkanäle saugen Schweiß von der Haut weg und verteilen ihn großflächig auf der Textiloberfläche, wo er schneller verdunstet
  • Dampfdiffusion – Wasserdampf wandert durch Mikroporen im Material, die kleiner als Wassertropfen, aber größer als Dampfmoleküle sind

Moderne Funktionsfasern wie Polyester mit Profilquerschnitt oder Polyamid-Hohlfasern verstärken den Kapillareffekt gezielt. Auch Naturfasern wie Merinowolle sind von Natur aus atmungsaktiv – Wolle kann bis zu 35 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen.

Relevanz für Berufsbekleidung

Wer acht Stunden oder mehr in Arbeitskleidung verbringt, merkt sofort, ob ein Material Feuchtigkeit reguliert oder staut. Mangelhafte Atmungsaktivität führt zu Hitzestau, Unbehagen und im Extremfall zu Hautirritationen. Besonders relevant ist das bei:

  • Gastronomie und Küche – hohe Umgebungstemperaturen, körperliche Belastung
  • Outdoor-Einsatz – wechselnde Bedingungen, Schwitzen unter Wetterschutzschichten
  • Büro mit Kundenkontakt – auch bei geringer Belastung sorgt gutes Feuchtigkeitsmanagement für ein gepflegtes Erscheinungsbild

Die Wahl der Faser allein reicht nicht – auch Strickbindung, Stoffdichte und Ausrüstung (z. B. hydrophile Finishes) beeinflussen die Atmungsaktivität erheblich.

Mini-FAQ

Ist Baumwolle atmungsaktiv? Baumwolle ist luftdurchlässig und saugfähig, trocknet aber langsam. Dadurch kann nasse Baumwolle am Körper kleben und auskühlen. Für sportliche oder schweisstreibende Berufe sind Mischgewebe oder Funktionsfasern oft die bessere Wahl.

Kann Atmungsaktivität durch Waschen nachlassen? Ja. Weichspüler legen einen Film auf die Fasern, der Kapillarkanäle verstopft. Auch unsachgemässes Trocknen kann Membranbeschichtungen beschädigen. Pflegehinweise des Herstellers beachten.

Welcher Messwert zählt wirklich? Der RET-Wert (Resistance to Evaporative Heat Transfer) ist aussagekräftiger als MVTR, weil er unabhängig von Temperatur und Luftfeuchte misst. Ein RET unter 6 steht für sehr gute Atmungsaktivität.

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