Was bedeutet Circular Fashion?
Circular Fashion beschreibt ein Produktions- und Nutzungsmodell, bei dem Textilien so entworfen, hergestellt und verwertet werden, dass sie möglichst lange im Kreislauf bleiben. Statt des klassischen linearen Wegs — Rohstoff, Produktion, Nutzung, Deponie — sollen Materialien nach dem Tragen repariert, wiederverwendet oder zu neuen Fasern aufbereitet werden.
Das Konzept geht auf die Cradle-to-Cradle-Philosophie zurück, die der Chemiker Michael Braungart und der Architekt William McDonough in den 1990er-Jahren formuliert haben. Im Textilbereich hat die Ellen MacArthur Foundation den Ansatz 2017 mit dem Report “A New Textiles Economy” konkretisiert: Weltweit landen jährlich rund 92 Millionen Tonnen Textilabfälle auf Deponien oder in der Verbrennung. Weniger als 1 % aller Kleidungsfasern werden aktuell zu gleichwertigen neuen Fasern recycelt.
Die vier Hebel der Kreislaufmode
- Design for Longevity — Robuste Nähte, zeitlose Schnitte und hochwertige Materialien verlängern die Nutzungsdauer. Entscheidend ist auch die Reparierbarkeit: eingenähte Ersatzknöpfe, zugängliche Nähte, nachbestellbare Einzelteile
- Mono-Material-Strategie — Mischgewebe aus Polyester und Baumwolle lassen sich kaum sortenrein trennen. Produkte aus einer einzigen Faserart — etwa 100 % Bio-Baumwolle oder 100 % recyceltes Polyester — sind deutlich besser recycelbar
- Rücknahme- und Sammelsysteme — Ohne funktionierende Logistik kein Kreislauf. Einige Hersteller bieten Take-Back-Programme an, bei denen getragene Kleidung sortenrein erfasst und dem Recycling zugeführt wird
- Faser-zu-Faser-Recycling — Mechanische Verfahren schreddern Alttextilien und verspinnen die Fasern neu. Chemische Verfahren wie das Lyocell-Recycling lösen Cellulose auf und gewinnen daraus frische Fasern mit nahezu identischen Eigenschaften
Herausforderungen in der Praxis
Der grösste Engpass ist die Sortierung. Altkleider bestehen aus tausenden verschiedenen Materialkombinationen, Farben und Ausrüstungen. Automatisierte NIR-Sortieranlagen (Nahinfrarot) können Fasern zwar erkennen, arbeiten aber noch nicht flächendeckend wirtschaftlich. Auch Knöpfe, Reissverschlüsse und Drucke müssen vor dem Recycling entfernt werden — ein aufwändiger Schritt, der bisher viel Handarbeit erfordert.
Mini-FAQ
Ist Circular Fashion dasselbe wie Recycling? Nein. Recycling ist nur ein Baustein. Circular Fashion umfasst auch Langlebigkeit, Reparatur, Secondhand-Nutzung und das gesamte Produktdesign — also alles, was den Kreislauf schliesst, bevor Recycling überhaupt nötig wird.
Funktioniert Kreislaufmode bei Arbeitskleidung? Grundsätzlich ja, sogar besonders gut: Corporate Fashion wird in grossen, einheitlichen Chargen beschafft, was die sortenreine Rücknahme und Sortierung deutlich vereinfacht.
Welche Zertifikate belegen Kreislauffähigkeit? Der Cradle to Cradle Certified-Standard bewertet Produkte in fünf Kategorien, darunter Materialgesundheit und Kreislauffähigkeit. Auch der Global Recycled Standard (GRS) kennzeichnet Produkte mit verifiziertem Recyclinganteil.