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Nachhaltigkeit

Textilrecycling

Verfahren zur Wiedergewinnung von Fasern oder Rohstoffen aus gebrauchten Textilien.

Textilrecycling umfasst alle Verfahren, bei denen aus gebrauchter Kleidung oder Produktionsabfällen neue Fasern, Garne oder Rohstoffe gewonnen werden. Das Ziel: Textilien sollen nicht auf der Deponie oder in der Verbrennung enden, sondern als Ressource im Kreislauf bleiben. In der Realität wird allerdings nur ein Bruchteil tatsächlich zu neuen Textilien verarbeitet — der grösste Teil der gesammelten Altkleider geht als Secondhand-Ware in den Export oder wird zu Putzlappen und Dämmmaterial heruntergestuft.

Mechanisches vs. chemisches Recycling

Die beiden Hauptverfahren unterscheiden sich grundlegend in Aufwand, Ergebnis und Einsatzbereich:

Mechanisches Recycling zerkleinert Alttextilien in einem Reisswolf zu kurzen Fasern, die neu versponnen werden können. Das Verfahren ist erprobt und vergleichsweise günstig, hat aber einen Nachteil: Mit jedem Durchgang werden die Fasern kürzer und verlieren an Festigkeit. Mechanisch recycelte Baumwolle muss daher fast immer mit Frischfasern gemischt werden — üblich sind Mischungen von 20-30 % Recyclingfaser mit 70-80 % Neufaser. Für Produkte mit geringeren Festigkeitsanforderungen wie Dämmstoffe oder Putzlappen reichen die kürzeren Fasern dagegen problemlos.

Chemisches Recycling löst die Faser auf molekularer Ebene auf und gewinnt den Rohstoff in Reinform zurück. Bei Polyester wird das Material zu Monomeren depolymerisiert, bei Zellulosefasern wie Baumwolle oder Viskose kann die Zellulose aufgelöst und zu neuen Fasern regeneriert werden — etwa im Lyocell-Verfahren. Das Ergebnis ist qualitativ gleichwertig mit Neufaser. Der Haken: Die Verfahren sind energieintensiv, teuer und bisher nur in Pilotanlagen im Einsatz.

Der Engpass: Sortierung

Bevor recycelt werden kann, muss sortiert werden — und genau hier liegt das grösste praktische Problem. Ein typischer Altkleidercontainer enthält Hunderte verschiedener Materialkombinationen: Baumwolle-Polyester-Mischungen, Wolle mit Elasthan, bedrucktes Nylon mit Metallreissverschlüssen. Für sortenreines Recycling müssten all diese Materialien getrennt, Knöpfe und Verschlüsse entfernt und Farben idealerweise vorsortiert werden.

NIR-Scanner (Nahinfrarot-Spektroskopie) können Faserarten automatisch erkennen und erreichen Genauigkeiten über 90 %. Aber die Technik ist noch nicht flächendeckend im Einsatz, und bei Mischgeweben stösst sie an Grenzen — ein Shirt aus 60 % Baumwolle und 40 % Polyester wird erkannt, lässt sich aber trotzdem nicht ohne Weiteres in seine Bestandteile zerlegen.

Textilrecycling bei Corporate Fashion

Firmenbekleidung hat gegenüber privater Alltagskleidung einen strukturellen Vorteil beim Recycling: Unternehmen wissen genau, welche Materialien im Einsatz sind, und können grosse, einheitliche Chargen zur Rücknahme sammeln. 200 identische Poloshirts aus 100 % Baumwolle lassen sich sortenrein erfassen und dem Recycling zuführen — ganz anders als der Inhalt einer durchschnittlichen Altkleidersammlung.

Einige Textildienstleister bieten inzwischen geschlossene Kreisläufe an: ausgemusterte Firmenbekleidung wird zurückgenommen, datenschutzkonform von Logos befreit und dem Recycling zugeführt. Gerade bei Unternehmen mit regelmässigen Beschaffungszyklen lohnt es sich, die Rücknahme schon bei der Erstbestellung mitzudenken.

Zahlen und Kontext

  • In Europa fallen jährlich rund 7 Millionen Tonnen Textilabfälle an
  • Etwa 30-35 % der gesammelten Altkleider werden als Secondhand weiterverkauft
  • Rund 25-30 % gehen ins Downcycling (Putzlappen, Dämmmaterial)
  • Weniger als 1 % werden tatsächlich zu gleichwertigen neuen Textilfasern recycelt
  • Ab 2025 schreibt die EU die getrennte Sammlung von Textilabfällen in allen Mitgliedsstaaten vor

Mini-FAQ

Was passiert mit Kleidung im Altkleidercontainer? Sie wird sortiert: Tragbare Stücke gehen in den Secondhand-Handel (oft nach Afrika oder Osteuropa), Reste werden zu Putzlappen oder Dämmmaterial verarbeitet. Nur ein kleiner Bruchteil landet im eigentlichen Faser-zu-Faser-Recycling.

Kann Mischgewebe recycelt werden? Mechanisch kaum sortenrein. Chemische Verfahren können in einigen Fällen einzelne Fasern gezielt herauslösen — etwa Baumwolle aus einem Baumwolle-Polyester-Gemisch. Diese Technologien sind aber noch nicht grossindustriell verfügbar.

Wie kann ich als Unternehmen Textilrecycling fördern? Drei Hebel: Erstens bei der Beschaffung auf Mono-Materialien setzen, die sich leichter recyceln lassen. Zweitens eine geordnete Rücknahme alter Firmenbekleidung organisieren. Drittens Hersteller bevorzugen, die Recyclinganteile in ihren Produkten einsetzen.

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