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Nachhaltigkeit

Made in Europe

Kennzeichnung für Textilien, die in europäischen Produktionsstätten konfektioniert wurden.

Made in Europe kennzeichnet Textilien, deren Konfektionierung — also das Zuschneiden und Nähen — in einem europäischen Land stattfindet. Der Begriff ist rechtlich nicht einheitlich definiert und bezieht sich in der Regel auf die letzte wesentliche Verarbeitungsstufe. Die Faser kann aus Indien stammen, das Garn in der Türkei gesponnen und der Stoff in Italien gewebt worden sein — solange das Nähen in Europa erfolgt, darf das Etikett “Made in Europe” tragen. Das ist kein Betrug, aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Was “Made in Europe” tatsächlich bedeutet

Die Herkunftsbezeichnung sagt etwas über den Nähort, aber wenig über die gesamte Lieferkette. Ein differenzierter Blick zeigt:

  • Konfektionierung in Europa — Die Näharbeit erfolgt in Ländern mit europäischen Arbeitsrechtsstandards. Das schliesst Mindestlöhne, Arbeitszeitregelungen und Arbeitsschutzgesetze ein, wobei die tatsächliche Durchsetzung je nach Land variiert
  • Keine Aussage über Rohstoffe — Baumwolle, Polyester oder Wolle kommen fast nie aus Europa. Die Faserproduktion findet überwiegend in Asien, Afrika oder den USA statt
  • Keine automatische Nachhaltigkeitsgarantie — Kürzere Transportwege beim Endprodukt ja, aber der ökologische Fussabdruck hängt von deutlich mehr Faktoren ab als dem Nähort

Europäische Textilproduktion: Wo genäht wird

Europa hat eine vielfältige Textillandschaft. Die Produktionskapazitäten verteilen sich allerdings ungleich:

  • Portugal — Einer der wichtigsten Standorte für mittelpreisige bis hochwertige Strickwaren und Jersey. Viele Corporate-Fashion-Hersteller lassen hier produzieren, weil Qualität, Kosten und Lieferzeiten gut zusammenpassen
  • Türkei — Grosser Textilproduzent mit breiter Kapazität, von Basisbekleidung bis Premium. Die Zugehörigkeit zu Europa wird unterschiedlich bewertet; geografisch liegt ein Teil des Landes in Europa, die EU-Zollunion erleichtert den Handel
  • Polen, Rumänien, Bulgarien — Wachsende Nähkapazitäten, oft für Marken, die kürzere Lieferwege innerhalb der EU suchen. Die Lohnkosten liegen unter westeuropäischem Niveau, die Arbeitsrechte folgen EU-Standards
  • Italien — Traditioneller Standort für Premiumstoffe und hochwertige Konfektion, insbesondere bei Anzügen und Hemden. Allerdings mit teils problematischen Arbeitsbedingungen in der Billigkonfektion, wie Ermittlungen in der Region Prato gezeigt haben

Vorteile für Corporate Fashion

Für Unternehmen, die Firmenbekleidung beschaffen, bietet eine europäische Produktion konkrete Vorteile:

  • Kürzere Lieferzeiten — Statt 8-12 Wochen Seefracht aus Asien sind Lieferungen innerhalb von 2-4 Wochen realistisch. Das vereinfacht Nachbestellungen und saisonale Anpassungen
  • Einfachere Qualitätskontrolle — Nähere Produktionsstätten erlauben häufigere Besuche und direktere Kommunikation. Bei Reklamationen ist die Abstimmung unkomplizierter
  • Geringeres Lieferkettenrisiko — Weniger Abhängigkeit von globalen Frachtrouten, die durch geopolitische Spannungen oder Pandemien gestört werden können
  • Kommunizierbarer Mehrwert — Mitarbeitende und Kunden nehmen “Made in Europe” als Qualitäts- und Verantwortungssignal wahr

Grenzen der Kennzeichnung

“Made in Europe” ist kein Siegel und wird von keiner unabhängigen Stelle geprüft. Es gibt keine Mindestanforderungen an Arbeitsbedingungen über die jeweilige nationale Gesetzgebung hinaus und keine Kontrolle der vorgelagerten Lieferkette. Wer sichergehen will, dass die gesamte Produktion verantwortungsvoll abläuft, sollte “Made in Europe” als Ausgangspunkt betrachten — nicht als Endpunkt. Ergänzende Zertifizierungen wie GOTS, OEKO-TEX Made in Green oder Fair Wear decken ab, was die Herkunftsbezeichnung offenlässt.

Mini-FAQ

Ist “Made in Europe” nachhaltiger als “Made in Asia”? Pauschal nicht. Die kürzeren Transportwege helfen, aber der Transport macht nur 2-5 % des gesamten CO2-Fussabdrucks eines Textils aus. Entscheidender sind Faseranbau, Färberei und Energiequellen in der Produktion. Ein in Bangladesch unter strengen Umweltauflagen gefertigtes Shirt kann nachhaltiger sein als eines aus einer europäischen Fabrik ohne Umweltmanagement.

Was bedeutet “Made in EU” im Unterschied zu “Made in Europe”? “Made in EU” beschränkt sich auf die 27 EU-Mitgliedsstaaten. “Made in Europe” ist weiter gefasst und kann auch die Türkei, Serbien, Nordmazedonien oder die Ukraine einschliessen. Da keine offizielle Definition existiert, ist die Abgrenzung nicht immer trennscharf.

Kann ich überprüfen, wo mein Kleidungsstück tatsächlich hergestellt wurde? Hersteller mit OEKO-TEX Made in Green oder GOTS-Zertifizierung bieten oft eine Produkt-ID, über die sich die Produktionsstätte zurückverfolgen lässt. Ohne solche Systeme bleibt man auf die Angaben des Lieferanten angewiesen.

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