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Materialien

Viskose

Regenerierte Zellulosefaser aus Holzzellstoff mit fließendem Fall und seidigem Griff, die zwischen Natur- und Kunstfaser steht.

Was ist Viskose?

Viskose ist eine regenerierte Zellulosefaser – das bedeutet: Der Rohstoff ist natürlich (Holzzellstoff, meist von Buche, Eukalyptus oder Bambus), die Faser selbst entsteht aber durch ein chemisches Verfahren. Zellulose wird in Natronlauge und Schwefelkohlenstoff gelöst, zu einer zähflüssigen Masse (der namensgebenden „viskosen” Lösung) verarbeitet und anschließend durch Spinndüsen in ein Fällbad gepresst, wo die Fäden erstarren.

Erfunden wurde das Viskoseverfahren 1892 von den britischen Chemikern Cross, Bevan und Beadle als erstes kommerzielles Verfahren zur Herstellung von Chemiefasern. Der ursprüngliche Handelsname „Kunstseide” verrät die Motivation: Man suchte eine günstigere Alternative zu echter Seide mit ähnlichem Griff und Glanz.

Verwandte Fasern: Modal, Lyocell, Cupro

Viskose ist der Oberbegriff, aber es gibt weiterentwickelte Varianten:

  • Modal – modifiziertes Viskoseverfahren mit höherer Nassfestigkeit. Weicher als Standard-Viskose, weniger knitteranfällig. Häufig aus Buchenholz (Lenzing Modal)
  • Lyocell (Tencel) – Herstellung mit dem Lösungsmittel NMMO statt Schwefelkohlenstoff. Geschlossener Kreislauf, deutlich umweltfreundlicher. Trockener Griff, gute Festigkeit
  • Cupro – Zellulose wird in Kupferoxid-Ammoniak gelöst. Extrem fein, seidig, vor allem als Futterstoff verwendet

Alle diese Fasern teilen den Grundcharakter: pflanzlicher Ursprung, fließender Fall, gute Feuchtigkeitsaufnahme. Sie unterscheiden sich in Herstellungsverfahren, Umweltbilanz und mechanischen Eigenschaften.

Eigenschaften

Viskose hat Stärken, die sie besonders für Oberbekleidung mit Anspruch an Optik interessant machen:

  • Fließender Fall – Viskosegewebe fallen weich und schwer, ohne steif zu wirken. Ideal für Blusen, Kleider und drapierte Schnitte
  • Seidiger Glanz – die glatte Faseroberfläche reflektiert Licht ähnlich wie Seide, bei einem Bruchteil der Kosten
  • Feuchtigkeitsaufnahme – Viskose nimmt bis zu 13 % ihres Gewichts an Feuchtigkeit auf, deutlich mehr als Polyester. Das sorgt für ein angenehmes Tragegefühl
  • Hautfreundlichkeit – weich, glatt, antistatisch, gut verträglich auch für empfindliche Haut
  • Färbbarkeit – Viskose lässt sich in intensiven, leuchtenden Farben einfärben

Die Schwachstellen: Viskose verliert im nassen Zustand bis zu 50 % ihrer Festigkeit, knittert deutlich und ist weniger formstabil als Polyester oder Baumwolle. Außerdem läuft sie beim Waschen ein, wenn der Stoff nicht vorbehandelt wurde.

Viskose in der Corporate Fashion

Viskose findet ihren Platz dort, wo Eleganz gefragt ist, ohne auf reine Seide zurückgreifen zu müssen:

  • Blusen und Hemdblusen – fließender Schnitt, angenehmer Tragekomfort, professionelle Optik. Oft als Polyester-Viskose-Mischung für bessere Pflegeeigenschaften
  • Kleider und Röcke – besonders für Repräsentationskleidung in Hotellerie und gehobenem Service
  • Futterstoffe – Cupro-Viskose als hochwertige Alternative zu Polyester-Futter, glatter, weniger statisch
  • Schals und Tücher – Corporate-Accessoires mit seidigem Griff und guter Farbbrillanz

In der Praxis wird Viskose selten als 100-%-Material eingesetzt. Mischungen mit Polyester (für Formstabilität), Elasthan (für Stretch) oder Baumwolle (für Festigkeit) gleichen die Schwächen aus und erhalten die Vorzüge.

Nachhaltigkeit: ein differenziertes Bild

Die Umweltbilanz von Viskose hängt stark vom Herstellungsverfahren und der Holzquelle ab. Konventionelle Viskoseproduktion verbraucht große Mengen Chemikalien und Wasser. Zertifizierungen wie FSC (für nachhaltige Forstwirtschaft) und das EU-Ecolabel geben Orientierung. Lyocell-Verfahren mit geschlossenem Lösungsmittelkreislauf (wie bei Lenzing Tencel) gelten als deutlich umweltfreundlicher und setzen sich zunehmend als Standard durch.

Mini-FAQ

Ist Viskose eine Naturfaser? Nein, auch wenn der Rohstoff natürlich ist. Die chemische Umwandlung von Zellulose zu Faser macht Viskose zu einer Chemiefaser auf natürlicher Basis – man spricht von regenerierter Zellulose.

Wie wäscht man Viskose? Schonwaschgang bei 30 °C, niedrige Schleuderdrehzahl. Viskose ist im nassen Zustand empfindlich und kann sich verziehen. Nicht auswringen, liegend oder auf Bügel trocknen. Bügeln bei mittlerer Temperatur, leicht feucht.

Warum knittert Viskose so stark? Viskosefasern haben eine geringe Elastizität – sie federn nach Verformung nicht zurück wie Wolle oder Polyester. Mischungen mit Polyester oder Modal reduzieren die Knitterneigung erheblich.

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